Kurz nach meiner Hochzeit überkam mich das Babyfieber. Mit 26 Jahren sahen viele meiner Highschool-Freunde bereits mit Kleinkindern aus, und ich fühlte mich hoffnungslos zurückgeblieben.
Jeder Film und jede Serie meiner Jugend hatte mir traditionelle Familienwerte eingepflanzt: Ehe, Kinder, ein eigenes Haus, sommerliche Teestunden auf der Veranda, während die Kinder im Vorgarten spielen. Das wurde zu meinem Lebensziel.
Ich drängte meinen Mann auf ein Baby – ich weinte, schrie und stürmte sogar einmal wutentbrannt aus dem Haus, nachdem ich gegen eine Wand geschlagen hatte (was unsere Kaution kostete).
Er spürte, dass wir finanziell nicht bereit waren, ein neues Leben zu versorgen. Rückblickend hatte er recht. Doch mein Wunsch wurde zur Besessenheit, die alles andere überschattete.
Wir hausten in einer engen Dachgeschosswohnung: Die Küche floss nahtlos ins Wohnzimmer über, und die schräge Decke im Schlafzimmer führte zu blauen Flecken und Panik beim Aufwachen. Unser Zuhause war kein Ort für eine Familie, wie mein Mann betonte.
Erst als wir in eine geräumigere Einzimmerwohnung zogen, gab er nach. 'Wir können es versuchen', sagte er. Ich lud sofort Ovulations-Apps herunter und stöberte Baby-Registries.
Ehrlich gesagt war dieser Drang oberflächlich. Ich stellte mir Facebook-Fotos vor, süße Outfit für mein Kind. Es war der nächste 'Schritt' im Leben, der mich 'normal' machen würde. Ich zweifelte nie, ob Elternschaft zu mir passt.
Monat um Monat kam meine Periode. Ich dachte: Vielleicht ist es nicht meant to be. Wir hörten auf, gezielt zu planen, hatten ungeschützten Sex – überzeugt, dass Schwangerschaft ausbliebe.
Und dann passierte es.
Mein Sohn ist nun fast sechs Jahre alt. Lassen Sie die Klischees gleich vorwegnehmen: Ich liebe ihn über alles. Ich würde für ihn sterben. Er ist meine Welt.
Doch nun zum Kern: Mein Leben fühlt sich chaotisch an. Ich war immer egoistisch (meinem Mann ein Kind aufzuzwingen, toppt das noch). Ich liebe Schlaf, Broadway-Shows in der Stadt, impulsives Shopping, Schreiben ohne Unterbrechung. Und ja, ich liebe schlafen.
Das gebe ich realem Leben nie zu, aber ich bereue meinen Sohn. Ich opferte Jahre für ein Kind aus falschen Gründen.
Manche sagen, jedes Kind sei ein Segen. Toll, wenn man daran glaubt. Ich nicht. Ich sehe, wie ich mich verbiegte, um 'normal' zu sein – meine Schuld.
Und das ist niemandes Schuld außer meiner eigenen.
Mit fast 35 denke ich immer noch zu oft über 'Normalität' nach. Das ist ungesund. Ich lerne, meinem Herzen zu folgen, nicht dem Facebook-Feed, und mein Leben authentisch zu gestalten.
Inzwischen habe ich ein entzückendes Kind, das ich innig liebe. Wenn das mein 'Schlimmstes' ist, fahre ich gar nicht so schlecht.