Wie viele von Ihnen wurde auch ich oft nach meiner Lieblingsküche oder meinen bevorzugten Gerichten gefragt. Obwohl ich kein Gourmet bin, war „Chinesisch“ lange meine Standardantwort. Heute würde ich jedoch anders antworten: den typischen dal im Kerala-Stil oder die koorka (Chinesische Kartoffel) mezhukkupuratti, die meine Mama zubereitet. Zu Hause, während meiner Schul- und Studienzeit, habe ich meiner Mutter selten gesagt, wie köstlich ihre Gerichte schmeckten. Erst als ich auszog und allein lebte, begann ich, sie zu vermissen. Jeden Abend fragte ich am Telefon neugierig: „Was gibt’s heute zum Abendessen, Amma?“ Meine liebevolle Mutter antwortete stets: „Nichts Besonderes, Molu. Nur Dinge, die du nicht magst. Deine Favoriten koche ich, wenn du nach Hause kommst!“
Sie hält ihr Wort bis heute. Sobald ich ankomme, bis ich wieder packe, ist die Speisekarte voller meiner Lieblinge. Meine Geschmacksknospen werden königlich verwöhnt. Doch die anderen Familienmitglieder kommen nicht zu kurz – Mama sorgt für jeden. Beim Essen stehen unsere individuellen Favoriten bereit: Zu appam gibt’s Zwiebelchutney für mich (ja, eine ungewöhnliche, aber geliebte Kombination) und Eintopf für die anderen. Zu Dosa mag ich Chutney ohne Tadka, die Familie anders. Amma zaubert einfach alles.
Morgens ist sie trotz vollem Programm in einer Stunde Frühstück und Mittagessen fertig – inklusive Packen fürs Büro. Eines Tages, als sie eilte, bat sie mich: „Ich habe mein Essen gepackt, hilf mir nur, die bitteren Kürbisbrötchen separat zu portionieren. Die neuen Azubis im Büro lieben sie – ihr Favorit!“ Da wurde mir klar: Sie kennt sogar die Vorlieben ihrer Kollegen. Ich starrte sie verblüfft an. „Fertig?“, fragte sie, nahm den Behälter und küsste mich zum Abschied. Amma weiß alles über uns – Vorlieben, Abneigungen. Aber ihr eigenes Lieblingsgericht? Das hatte ich nie gefragt. Wie konnten wir das übersehen? Selbst beim Ausgehen bestellt sie nie für sich zuerst, sondern nach unserer Wahl.
Amma, heute frage ich: Was ist dein Favorit? Er wird neben unseren auf der Speisekarte stehen. Wir lieben dich und deine Wünsche sind uns ebenso wichtig wie unsere dir.
Dieser Text ist allen Eltern gewidmet, die ihre Vorlieben für ihre Kinder zurückstellen. Liebe Freunde, wir kümmern uns um euch!
– Minu Nandakumar