Ich schiebe meinen fast vollen Einkaufswagen durch den Supermarkt, abgelenkt vom schrillen Geschrei meiner 15 Monate alten Tochter. „Wir sind gleich fertig“, sage ich zum siebten Mal, doch sie will es nicht glauben. Ich greife hastig nach den letzten Artikeln und eile zur Kasse. Die Blicke der Mitkunden brennen, während ihr Weinen eskaliert. Mein Kiefer verkrampft sich, und ein scharfes „Shhh! Das reicht jetzt!“ entfährt mir.Das bringt natürlich nichts. Beim Beladen des Bandes versuche ich, sie abzulenken – mit lustigen Liedchen oder ihrer Schnabeltasse. Eine Frau hinter mir kommentiert laut zu ihrer Begleiterin: „Wenn mein Kind so randalieren würde, würde ich es hochnehmen und sofort gehen. Man muss ihnen zeigen, dass sie sich nicht überall so benehmen können.“ Zu erschöpft, um zu erklären, dass genau das der Plan meiner Tochter ist, schweige ich.
Beim Spaziergang im Kinderwagen winken Fremde ihr zu. „So süß und gesellig!“, rufen sie. Ich lächle nur wissend.
Im feinen Restaurant sitzt sie friedlich im Hochstuhl und isst genüsslich. Plötzlich wirft sie alles um sich und kreischt. Die Blicke der Gäste wandeln sich – von Bewunderung zu Vorwurf, als quälten wir sie.
Ein fünfminütiger Moment reicht nicht, um Elternschaft zu bewerten. Mal wirkt meine Tochter engelsgleich, mal launisch. Als erfahrene Mutter weiß ich: Kinder haben schlechte Tage, Wutanfälle sind normal. Wir tun unser Bestes, doch sie passieren einfach.
Urteile aus der Ferne sind ungerecht. Lassen Sie die Erziehung den Eltern – niemand kennt Ihr Kind so gut wie Sie. Niemand lebt 24/7 mit Ihnen. Mitgefühl statt Kritik: Ein kurzer Ausschnitt definiert niemanden.
Wir alle verdienen Gnade, wie wir sie anderen wünschen.
Von Hansveen Kaur