Repräsentatives BildAls das Telefon in einer stürmischen, kalten Nacht um 1:30 Uhr klingelte, fuhr mir ein Schreck durch die Glieder. „Hallo, Tante, hier ist Shreya“, meldete sich eine panische Stimme. Verschlafen fragte ich: „Wer ist Shreya?“
„Tante, Shreya aus Wohnung 7, Meeras Tochter.“
„Oh, entschuldige, Beta, ich war total verschlafen. Was ist passiert?“
„Tante, komm bitte mit Onkel. Bhabhi muss sofort ins Krankenhaus. Mama sagt, die Fruchtblase ist geplatzt und Flüssigkeit austritt. Bhaiyya ist auf Geschäftsreise. Onkel muss uns fahren!“ Das 16-jährige Mädchen klang verzweifelt.
Ich kannte Aarti, die schwangere Schwiegertochter der Sharmas. Es war erst der fünfte Monat – eine lebensbedrohliche Situation. Ich weckte meinen Mann Rajiv, und wir eilten zu ihnen. Gemeinsam brachten wir Aarti mit ihren Schwiegereltern und Shreya ins Krankenhaus.
Schlaflos betete ich die Nacht hindurch, dass Aarti gerettet werden möge. Das Baby zu retten schien unmöglich angesichts des starken Fruchtwasseraustritts.
Rajiv hatte sein Handy vergessen; Kontakt war unmöglich. Erst um 6 Uhr morgens kehrte er zurück – erschöpft mit Herrn Sharma und Shreya. Die Ärzte hatten ein Mädchen per Kaiserschnitt geholt, 16 Wochen zu früh. Sofort verlegten sie es in eine Spezialklinik mit modernsten Inkubatoren.
„Wie soll ein Inkubator den Schoß einer Mutter ersetzen?“, seufzte ich.
„Im Moment braucht sie genau diese sterile Umgebung zum Wachsen und für die Ernährung“, beruhigte Rajiv mich, doch ich spürte seine Zweifel. Nach 20 Ehejahren kenne ich ihn genau. „Die Ärzte sind unsicher, ob sie überlebt.“
Aarti erholte sich noch unter Narkose in einer anderen Klinik. Besuche waren unmöglich – strenge Isolationsregeln schützten das Baby vor Infektionen. Erst nach Stabilisierung durfte die Mutter es durch Glas sehen; Berührungen erst nach neun Monaten simuliertem Wachstum.
Die Sharmas hatten gerade eine Babyparty geplant – nun pure Verzweiflung. Die ersten zehn Tage waren kritisch. Aarti weinte untröstlich, Vinod eilte von seiner Reise herbei. Am elften Tag: „Außer Lebensgefahr“, sagten die Ärzte, warnten aber vor der langen Reise zum vollen Wachstum. Kontinuierliche Überwachung unreifer Organe war essenziell. Der finanzielle Hintergrund der Familie half enorm.
Vier Monate Qual: Aarti sah ihr Kind einmal durch Glas – unsichtbar im Inkubator. Ihr Schmerz zerriss uns Mütter.
Am 15. April der Durchbruch: Das Baby verließ den Inkubator und landete in Mutters Armen. Unbeschreibliche Freude erfüllte den Haushalt. Freudentränen, als Aarti ihr zerbrechliches Mädchen küsste. Mit Medikamenten und Pflege überwand sie Infektionen und ist heute ein süßes siebenjähriges Mädchen.
In unserer Anlage nennen wir sie „Das Wunderbaby“.
- Von Sudha Vishwanathan