Mein zufälliges Rendezvous mit einer Dame und Gentleman: Meera (Bild: Shutterstock)"Ihre Stimme klingt zu disharmonisch für diesen Job, und Ihre Grammatik ist nicht auf dem neuesten Stand", bekam ich lapidar vom Interviewberater zu hören. Das war vor fast einem halben Monat, als ich in Delhi ankam, um in einem Callcenter einen Job zu ergattern – mein Englisch zu verbessern und vor allem meinem Vater etwas zu beweisen. Muss jedes Kind der Gesellschaft und den Eltern gegenüber ständig etwas unter Beweis stellen? Diese Frage quält mich noch heute.
Der Himmel hing voller dunkler Wolken, und meine Zukunft wirkte noch düsterer. Das Grollen des Donners rief mir die harten Worte meines Vaters in Erinnerung, als ich vor zehn Jahren, 2006, den Berufskurs verließ: "Du wirst in deiner Zukunft Gras mähen. Ich gebe dir kein Taschengeld mehr, bis du den Unterricht wieder aufnimmst." Er fuhr fort: "Es ist nicht einfach, mit beiden über die Runden zu kommen, Sohn."
Ich hingegen glaubte, ein Callcenter-Job sei ein Kinderspiel. Ich ahnte nicht, welche harten Realitäten mich erwarteten: Mieten, Handyrechnungen, Essen und Fahrtkosten – wie die Giftzähne einer Krake. Mein Vater wusste, dass Erfahrung alles erleichtert, und genau das wollte er mir beibringen.
Mein altes schwarzes Motorola-Handy, das mir meine Mutter mit der Mahnung gab, täglich mindestens zweimal anzurufen, klingelte ununterbrochen. Es war sie. Schon in der Stille spürte sie meine Verzweiflung – Mütter können den Atem ihrer Kinder lesen.
Als der Regen in Delhi immer heftiger prasselte, nahm ich schweren Herzens eine Rikscha. Der Fahrer kämpfte mit dem Starterhebel. "Ihr Autowalas seid so ungeschickt mit dem Hebel!", rief eine heisere Stimme, während sie half. Der Motor sprang an. Die Präsenz dieser Frau – oder vielmehr des Eunuchen – war überwältigend. In ihrem funkelnden rosa Salwar Kameez, mit großem Bindi, verlängertem Eyeliner und hellerem Make-up zwinkerte sie mir zu. "Kitne de chuka hai ab tak?" Sie berührte mein Kinn. "Zehn", murmelte ich. Sie lächelte sarkastisch: "Sirf dus lehnt ab, se ro diya? Humse pooch! Wir wurden von der Gesellschaft ohne Schuld für immer abgelehnt und verstoßen."
Ich war baff. Diese seelenrührenden Worte kamen von Meera, einem Eunuchen. Sie prägten mich fürs Leben: Ablehnungen sind vergänglich. Selbst wenn nicht, geht das Leben weiter – wie im afghanischen Sprichwort "Zendagi Migzara".
- Von Naved Ahmad