Wie in vielen langjährigen Beziehungen verlief auch meine Geschichte mit der englischen Sprache nicht immer harmonisch. Alles begann in der 8. Klasse, als meine Mutter beschloss, dass ich Englisch nicht nur als Schulstoff, sondern als echte Sprache meistern sollte. Bis dahin hatte ich mich in guten Noten gesonnt. Doch die ersten Klassenarbeiten dieses Jahres rissen mich in die Realität zurück. Unser Englischlehrer galt als der Strengste der Schule – und sparte nicht mit strengen Bewertungen. Für meine Mutter war das keine Entschuldigung für meine durchschnittlichen Ergebnisse.
Von da an startete mein intensives Training mit der Sprache. Ich sah in meinem Lehrer einen Herausforderer, den ich überzeugen musste – durch sichtbare Fortschritte. Der Anstoß meiner Mutter und der Druck des Lehrers katapultierten mich in eine neue Phase. Ich las und schrieb wie nie zuvor, und dabei keimte eine tiefe Liebe zum schriftlichen Ausdruck auf. Auf dem Weg zur Selbstentdeckung blühte ich auf. Die Verbesserungen spiegelten sich bald in meinen Noten wider, und das Gefühl der Erfüllung war überwältigend.
Die Jahre vergingen, meine Leidenschaft fürs Schreiben wuchs. Ich bereitete mich auf die Abschlussprüfungen vor, in denen Englisch Pflicht war, mit dem Ziel, mein Bestes zu geben. Naiv vielleicht, aber fokussiert. Die Prüfungen kamen, ich war bestens gerüstet. Doch das Ergebnis? Meine schlechteste Note ever. Ich war am Boden zerstört, entmutigt. Die Liebe zum Englischen fühlte sich plötzlich wie eine Illusion an. Ich wollte mich nur noch zurückziehen.
Nach stundenlangem Grübeln akzeptierte ich es: Das ist nicht mein Weg. Die Schreibleidenschaft? Nur eine Jugendschwärmerei.
Doch das Schicksal hatte andere Pläne. Am nächsten Tag druckte eine überregionale Zeitung mein erstes Gedicht in der Leserkolumne ab.
Heute weiß ich: Diese Achterbahn hat mir gutgetan. Sie lehrte mich Geduld jenseits schneller Erfolge und schenkte mir ein Hobby fürs Leben.
– Von Nikita Gupta