Kaste keine Barriere in der Freundschaft (Bild: Shutterstock)Es war der Start meines Studiums an einer der renommiertesten Hochschulen in Mumbai. Voller Vorfreude, aber auch mit ein wenig Nervosität wagte ich mich in die neue Welt. Als Introvertierte brauche ich Zeit, um Kontakte zu knüpfen.
Eines Tages sprach mich ein Mädchen aus meiner Klasse an. Nach dem ersten Hallo plauderten wir über unsere SSC-Prüfungen. Sie erzählte, gerade so die Grenze für die letzte Merit-List erreicht zu haben. Bald merkten wir: Wir stammen aus derselben Stadt, besuchten dieselben Coaching-Klassen. Schnell wurden wir enge Freundinnen – wir teilten Mahlzeiten, Notizen, Ausflüge und Kurse.
Der Wendepunkt kam, als wir SSC-Marksheets für Formulare abgeben mussten. Beim Ausfüllen bemerkte ich ihren verlegenen Blick: Sie wollte nicht, dass ich ihre Noten sehe. Tatsächlich lagen sie weit unter der Grenze. Sie hatte mich bei unserem ersten Gespräch angelogen – aus Angst wegen ihrer Kaste.
Verwirrt fragte ich nach. Sie offenbarte: Sie war nur durch die Kastenquote zugelassen worden. In meiner Familie und Schule hatte man Kaste nie thematisiert; bis heute kenne ich meine eigene kaum. Sie fürchtete, ich würde den Kontakt abbrechen.
Doch Kaste stellte nie eine Hürde dar. Wir waren beste Freundinnen davor – und danach. Das liegt nun 20 Jahre zurück. Wir haben Karriere gemacht, Familien gegründet und sind enger verbunden denn je.
Im Rückblick war meine Unwissenheit über Kaste ein wahrer Segen. Sie ermöglichte mir, diesen wunderbaren Menschen kennenzulernen, der mein Lebensfreund wurde. Kaste – ein Fünf-Buchstaben-Wort, das viele behindert und die Menschlichkeit vergisst, die echte Beziehungen nährt.
- Von Nikita Karia