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Zeit, Flut und Tod warten auf niemanden: Erinnerungen an meinen Großvater

Zeit, Flut und Tod warten auf niemanden: Erinnerungen an meinen Großvater Repräsentatives Bild

Ich hätte nie gedacht, dass ich die letzte Erinnerung an dich vergessen würde. Zu jung war ich beim Abschied, doch alt genug, um die wachsende Spannung zwischen meinen Eltern zu spüren: die besorgten Blicke meines Vaters, die gedämpften Gespräche mit meiner Mutter nach jedem deiner Krankenhausbesuche.

Es war wohl das erste Mal, dass ich von Krebs hörte – aus den leisen Unterhaltungen der Besucher mit meinem Vater. Seltsam: In deiner Gegenwart umschifften sie das Wort. Nach ihrem Weggang vertieften sich die Sorgenfalten auf Vaters Stirn, seine Augen wurden trauriger.

Als ich Mama fragte, was Krebs sei, nannte sie es Fieber und verbot mir streng, dich beim Schlafen zu stören. Gehorsam wartete ich, naiv hoffend auf deine Besserung, verzichtete auf die orangengeschmackigen Süßigkeiten, die du mir aus dem Krankenhaus mitbrachtest.


Ein achtjähriges, neugieriges Mädchen war ich damals. Fünfundzwanzig Jahre später fehlt mir jede Erinnerung an unser letztes Gespräch oder gemeinsame Mahlzeit. Doch ich sehe noch, wie du dich aufregtest, sobald Mama mich zurechtwies. Wie du den Haushalt mit Gemüse oder zu Festen mit sorgfältig verpacktem Fleisch versorgtest.

Meine Mutter erzählte oft von meiner Geburt: Oma enttäuscht über ein Mädchen, doch du hieltst mich und sagtest: „Lakshmi, die Glücksgöttin, ist in unserem Haus angekommen.“ Das Krankenhaus feierte an jenem Abend ausgiebig.


Ich denke an Vaters Fürsorge für dich. Noch heute werden seine Augen feucht, wenn wir dich erwähnen. Er kennt jedes Detail eurer letzten Mahlzeit: Deine Erzählungen von Küche und Ernte, Sorge um Oma, Rat für seine Zukunft. Erkam frohen Mutes heim – du hattest gut gegessen. Doch noch in jener Nacht kam die Nachricht: Du warst fort.


Eine stürmische Nacht. Vater verlor seinen Vater, seinen Freund. Ich meinen Großvater – den Mann, der in Zeiten, da Söhne erwartet wurden, ein Mädchen wie Lakshmi schätzte. Egal, wie schwach mein Gedächtnis wird: Dich vergesse ich nie.


– Ayushi Jain