Mit vier Jahren wurde bei mir akutes Asthma bronchiale diagnostiziert. Häufige Krankenhausaufenthalte mit Infusionen am ganzen Körper wurden zum Alltag. Besonders schmerzhaft waren die Nächte auf dem Klinikbett, da mein Arm hochgelagert werden musste, während Schläuche daran hingen. Tagsüber fühlte ich mich freier: Ich tollte um die Betten herum und knüpfte Freundschaften mit den Krankenschwestern. Doch sobald der strenge Arzt-Onkel zur Visite kam, musste ich ins Bett zurück. So wechselte mein Leben zwischen einer Woche an der La Martiniere School for Girls in Kalkutta und einer Woche im Krankenhaus. Die Schule hasste ich jedoch noch mehr als das Spital.Der Arzt empfahl meinen Eltern, mich in eine weniger verschmutzte Stadt zu schicken – die Luft in Kalkutta vertrug sich nicht mit meiner Lunge. So kam ich nach Trivandrum zu meinen Großeltern. Eine schwere Entscheidung für meine Eltern, da mein Vater in der Armee diente und alle zwei Jahre versetzt wurde. Mein Bruder wechselte in sieben Städten acht Schulen und wurde so zum Extrovertierten.
Die ersten Monate in Trivandrum waren hart. Ich vermisste meine Eltern zutiefst, wachte nachts weinend auf und bat meine Großmutter, eine Kassette mit Kinderreimen abzuspielen – was mich nur noch hysterischer machte. Meine Großeltern verwöhnten mich endlos: Jeden Abend ein neues Spielzeug von der Schwester meines Großvaters, und sie stopften mich mit Eis, Ei-Puffs, Medu Vadas, Hühnerkoteletts und köstlichem Fisch voll.
Mein Großvater brachte mich morgens zur Schule. Die Schulfurcht blieb: Ich weinte bis zur Klassentür, klammerte mich an seinen kleinen Finger und sein Taschentuch. Mein Tageshighlight war das Ende der Schule, um meine Großeltern zu umarmen. Großvater aß die Reste meiner Brotdose, Großmutter fütterte mich überreichlich.
Ich krönte mich zur Prinzessin von Hemagiri, dem Haus meiner Großeltern, mit einer selbstgebastelten Edelstahlkrone. Ammumma war die Strengere: Hausaufgaben vor dem Spielen, sie brachte mich abends zum Schlafen und bereitete mich für die Schule vor. Sechs Jahre war sie meine Ersatzmutter – bis mein Vater nach Chennai versetzt wurde und ich mitziehen musste. Die Welt bebte erneut unter meinen Füßen. Ich wollte nicht weg.
Ich klammerte mich verzweifelt an Ammumma, während meine Eltern die Koffer packten. Sie umarmte mich und flüsterte: „Ich bin immer bei dir, Maulwurf. Alle Kinder müssen bei ihren Eltern sein.“
Nach sechs Jahren im Bett meiner Großeltern hatte ich in Chennai plötzlich ein eigenes Zimmer. Ich fühlte mich verloren, stand nachts auf dem Balkon und flüsterte „Ammumma, Appuppa“ in den sternenklaren Himmel.
Sommerferien verbrachte ich immer in Kerala bei beiden Großelternpaaren. Gestern starb meine Oma. Zuerst konnte ich es nicht fassen, bis ich sie friedlich in einer Holzkiste sah, in ihrem weißen Hochzeitssari mit goldener Borte. Ich blieb halb wach, plauderte mit Geschwistern und kümmerte mich um mein 18 Monate altes Kind. Am Morgen brach ich zusammen. Der glücklichste Teil meines Lebens endet. Niemand nennt mich mehr das Baby der Familie. Niemand kocht Appams, Bandreis und Maa Laddoos wie sie. Ich habe nicht mal ihre Rezepte notiert – dumm von mir.
Ich vermisse dich so sehr, Ammumma. Grüß Appuppan. Er wird dich nun verwöhnen. Ich freue mich, dass du an einem besseren Ort bist. Wärst du doch länger geblieben.
- Von Gayatri Bhadran