In meiner Heimatstadt galten nur zwei Berufe als erstrebenswert: Medizin und Ingenieurwesen. Wie viele Jugendliche träumte auch ich davon, Ärztin zu werden. Doch nicht jeder Traum erfüllt sich. Stattdessen studierte ich an einem renommierten Lehrerausbildungsinstitut und akzeptierte schließlich meinen Weg als Pädagogin.
Nach meinem Postgraduiertenstudium an einer angesehenen Universität begann ich meine Karriere an einer der besten Schulen der Stadt. Doch die Enttäuschung war groß: Man versetzte mich in den Kindergarten. Mein Masterabschluss in Biologie schien nutzlos – wie sollte ich Molekularbiologie einbringen, wenn ich "A wie Apfel" unterrichtete? Mein Selbstvertrauen litt.
Die Zeit heilte Wunden. Ich lernte, das Leben mit diesen kleinen Engeln zu genießen. Als ausgebildete Lehrerin fehlten mir anfangs die spezifischen Fähigkeiten für den Kindergarten, die ich heute bei allen Erzieherinnen hoch schätze. Ich kämpfte damit, die Kinder bei Aktivitäten zu halten, doch eines gelang mir instinktiv: Sie bedingungslos zu lieben – und sie erwiderten es.
In meiner Gruppe war ein Junge, der viel weinte. Als unerfahrene Pädagogin folgte ich meinem mütterlichen Instinkt. Mal überschüttete ich ihn mit Zuwendung, mal genügte eine Umarmung. Ich ließ ihn frei durch den Raum streifen, lesen, wenn er wollte. Langsam blühte er auf, nahm am Unterricht teil. Es war Fortschritt, doch mein Abschluss flüsterte noch Zweifel.
Der Wendepunkt kam beim ersten Elternabend. Die Mutter des Jungen sagte: „Frau Lehrerin, mein Sohn weinte früher jeden Morgen. Doch neulich erzählte er mir: ‚Mama, ich vermisse dich nicht mehr, denn ich liebe meine Lehrerin!‘ Das hat mich hergeführt.“
Diese Worte bewegen mich bis heute. Ein kleiner Junge sah in mir eine Mutterfigur. Heute antworte ich stolz auf die Frage nach meinem Beruf: „Ich bin Lehrerin – und das mit vollem Herzen.“
(Von Purnima Jha)