Wie die meisten Kinder – und viele Erwachsene – habe ich nie wirklich an den Weihnachtsmann geglaubt. Der Grund war einfach: Er stopfte meine Strümpfe nie mit Leckereien voll, dekoriert mein Fensterbrett nicht mit Rentieren, und da wir keinen Kamin hatten, stieg er auch nicht durch unseren Schornstein. Mit sieben Jahren begann ich, den Weihnachtsmann zu hassen. Dieser alte Mann fand Zeit für all meine Freunde – selbst für die ohne Kamin – und brachte teure Geschenke unter ihren Bäumen. Mich ignorierte er grundlos. Nicht die fehlenden Geschenke trafen mich, sondern die Erzählungen meiner Klassenkameraden von seinen Besuchen. Ich war das einzige Kind, das er übersah.
"Warum schreibst du ihm nicht einen Brief?“, fragte Mama, als ich tränenüberströmt nach Hause kam. In dieser Nacht tat ich es: Ein fünfseitiger Brief voller Schmerz und Vorwürfe gegen seine Rücksichtslosigkeit gegenüber einem sehnsüchtigen Kind. Weinend stieg ich aufs Dach unseres 15-stöckigen Hauses, band ihn an eine hohe Stange und hoffte, der Wind trüge ihn zum Nordpol.
Zwei Tage später war Weihnachten. Der Weihnachtsmann ließ sich nicht erweichen und brachte keine spektakulären Geschenke. Mir war es egal – er existierte ja nicht, und meine Freunde waren naiv genug zu glauben. Nach dem Familienfrühstück spielte ich mit meinen Cousins, als die Türklingel schellte. Niemand da, nur ein bunter Umschlag auf der Matte.
Eine extra Karte für den Baum! Doch es war ein Brief in wunderschöner Handschrift – unterschrieben vom Weihnachtsmann. Er beantwortete meinen Ausbruch perfekt. "Wie ist das möglich? Niemand sah mich den Brief losschicken", staunte ich. "Vielleicht flog er in eine andere Nachbarschaft, und jemand Süßes hat geantwortet – mit purem Weihnachtsmann-Charme", lächelte Mama zufrieden.
Zu Weihnachten, Silvester und Geburtstagen folgten liebevolle Briefe von meinem "Weihnachtsmann". Als ich älter wurde, vermutete ich Mama oder Freunde dahinter, doch das Mysterium machte Spaß. An meinem 12. Weihnachten kam kein Brief, sondern ein riesiges Geschenk in rotem Glanzpapier mit Bändern. Eine lebensgroße singende Weihnachtsmannpuppe! "Jingle Bells" erklang. In dem Moment klopfte es – unser muslimischer Nachbar Mohammed aus dem Penthouse lächelte mich an. „Assalamu alaikum“, grüßte er. Als ich die Puppe umklammerte, strahlte er: „Freut mich, dass es dir gefällt.“
„Du hast das gekauft, Onkel? Und die Briefe?“
Mohammed nickte. „Ich fand deinen Brief. Ich wollte den Hass in deinem Herzen stoppen – gegen jemanden, der nur in unseren Herzen lebt. Das ist meine Botschaft: Hasse nie, Liebe macht das Leben lebenswert.“
Danke, Onkel Mohammed. Du bist mein Weihnachtsmann. Wär schön, wenn jeder so ein Herz hätte.
(Von Vandana Thambi)