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Ein Taxifahrer in Mumbai: Die Geschichte, die meinen Glauben an die Menschheit erneuerte

Ein Taxifahrer in Mumbai: Die Geschichte, die meinen Glauben an die Menschheit erneuerteRepräsentatives Bild.
Damals waren Handys noch primitiv – keine Smartphones, kein GPS. Als Außenseiter in Mumbai ist man beim Reisen oft den Taxifahrern und Rikschafahrern ausgeliefert. Zweimal hatte ich negative Erlebnisse: Ein Rikschafahrer fuhr mich 20 km, obwohl es nur 5–6 km waren. Ein anderer Taxifahrer trickste mich um 200 Rupien.

Zu jener Zeit besuchten Verwandte in Mumbais Chembur-Viertel auf dem Weg von meiner Heimatstadt Pune nach Doha in Katar, wo ich arbeite. Bei einer solchen Reise verabschiedete ich mich von Onkel und Tante und suchte ängstlich ein Taxi zum Flughafen. Ich fand eines ohne Probleme.

Der Fahrer war ein älterer Herr mit schneeweißem Haar. Er sprudelte vor Aufregung, als hätte er im Lotto gewonnen. War er verrückt oder plante er etwas? Ich war hochalarmsiert. Dann begann er zu singen – es klang nach Bhajans. Nach Minuten fragte ich vorsichtig nach, und er erklärte es mir.

Drei Tage hatte er vergeblich auf Kundschaft gewartet. Frühmorgens war er in ein hinduistisches Tempel gegangen, wo Mumbais Taxifahrer um Segen und gute Geschäfte beten. Bis zum Nachmittag wartete er auf mich – seinen ersten Fahrgast. Aus Dank sang er Bhajans.

Ich war baff, ließ mich aber von seiner Freude anstecken. Hätte ich die Texte gekannt, hätte ich mitgesungen. Wir kamen zu früh am Flughafen an; ich gab ihm ein großzügiges Trinkgeld. Er jubelte und sang lauter.

Beim Abschied spürte ich einen Kloß im Hals und dankte still meinem himmlischen Vater – Gott in meinem christlichen Glauben – für dieses Geschenk: den Taxifahrer.

– Von Anthony Mascarenhas