Geschrieben von Chetna ShuklaAls passionierte Gärtnerin mit jahrelanger Erfahrung wählte ich sorgfältig zwei Pakete mit Lilienknollen aus dem Fachhandel aus. Diese kleinen, knopfförmigen Knollen mit braunen Schuppen versprachen farbenfrohe Blüten. Am nächsten Tag pflanzte ich sie in vorbereitete Plastiktöpfe im Hof und goss täglich gewissenhaft, damit sie Wurzeln schlagen und ihre Pracht entfalten konnten, wie auf den Verpackungen abgebildet.
Wochenlang wartete ich geduldig, pflegte und hoffte auf schlanke Stängel mit zarten rosa Blüten. Doch die feuchte Erde blieb dunkel und leblos. Meine Nachbarin Jasmin blühte üppig und schien über meinen Eifer zu spotten. Auch Gäste im Wohnzimmer neckten meinen grünen Daumen, was mich fast dazu brachte, sie in die Töpfe zu stecken.
Ein südindischer Freund schlug vor, Kräuter in die leeren Töpfe zu pflanzen. Die Idee war gut, doch dann kam der ersehnte Monsunregen. Über Nacht schossen lange, grüne Stängel mit rosafarbenen Knospen empor. Bald entfalteten sich wunderschöne Lilien, die zum Highlight meines Gartens wurden und alle Blicke auf sich zogen. Sie bewiesen meine Ausdauer. Nur meiner Haushälterin Saramma vertraute ich die Pflege an. Sie verwöhnte sie noch mehr, und sie gediehen prächtig. Früher zählte ich die Blüten täglich, doch eines Tages schienen es weniger zu sein. Der Hausmeister beteuerte, niemand habe sie angerührt. Saramma erklärte, mit dem Monsunfortschritt würden sie natürlicherweise abfallen.
Eines Tages wollte Saramma früh gehen: Ihre Tochter litt an Fieber und Durchfall. Ich gab ihr Geld für den Arzt. Nun war ich allein für den Hof zuständig – eine Freude, keine Last. Jeden Morgen genoss ich die wachsenden Lilien, inmitten ihrer Schönheit lebend. Als Saramma zurückkam, fragte ich nach der Tochter. Nun eine Allergie auf Medikamente. Hilflos wollte ich mehr Geld geben. Doch sie bat: "Geben Sie mir ein paar Blätter!" Die Lilienblätter als bewährtes Hausmittel!
Schockiert pflückte ich welche und reichte sie ihr. Mein Herz blutete, doch ich wusste von ihrer traditionellen Heilkraft. Die Episode quälte mich: Schönheit opfern für ein Kind? Ich suchte Trost in Hitopadesha: Eine gute Tat bleibt gut, dient sie dem Wohl anderer. Saramma kehrte zurück, nun mit neuer Energie – wie eine Lily unter Lilien, blühend im Hof.